Res Judicata

Es war fast am Ende des Tages, und sie konnte das vertraute Gefühl spüren — den stillen Drang, dem Lärm zu entkommen. Von der ständigen Anspannung bei der Arbeit, den Gesprächen, die nur Drama schufen, und der Last der Erwartungen, die zuhause auf sie warteten.
Niemand verstand wirklich, warum sie gehen musste, warum sie zu ihrer Kamera griff und in diese kleinen, dazwischenliegenden Momente verschwand.
Aber sie verstand es.
Und was sie erwartete, war wie immer das Boot. Ihr Boot.
Sachte am Steg festgemacht, schaukelte es gerade genug, um sie an das entspannende Gefühl der Wellen darunter zu erinnern.
Ihr Boot. Sie hatte es Res Judicata genannt — ein juristischer Begriff, den sie gut kannte. Er bedeutete „eine bereits entschiedene Angelegenheit“, etwas Abgeschlossenes, Fertiges, das nicht mehr zur Diskussion stand.
Denn hier draußen, auf dem Wasser, mit der Kamera in der Hand und der Welt nur genug zurückgezogen, blieb nichts mehr zu streiten. Nichts zu beweisen. Nichts zu erklären.
Nur das Licht.
Die leise Bewegung des Wassers.
Und das Gefühl — wenn auch nur für eine kleine Weile — dass alles bereits entschieden war, und sie endlich frei war, einfach nur zu sein.