Art Debates

Unfertige Schichten bekommen mehr Liebe als das fertige Stück

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Vor ein paar Jahren schien es viel mehr Resonanz zu geben, eine halbfertige Leinwand mit sichtbaren Pinselstrichen und roher Untermalung zu posten, als die polierte Endversion. Das bemerkte ich auch in meiner eigenen Arbeit. Ein loses Farbfeld einer Wüstenlandschaft, Cadmiumorange, das noch durch den Himmel hindurchscheint, würde doppelt so viel Diskussion auslösen, wie das fertige glasierte Stück jemals getan hat.

Jetzt scheint es eher das Gegenteil zu sein. Die Leute scrollen an allem vorbei, was unvollendet wirkt, und bleiben nur bei dem am detailliertesten ausgearbeiteten Ergebnis hängen. Sogar Prozessaufnahmen von nassen Lagen landen kaum, es sei denn, das Endprodukt steht direkt daneben.

Ein Teil von mir fragt sich, ob wir etwas verloren haben. Die Zwischenstufen, in denen ein gebrannter Siena-Untergrund die Hälfte der Arbeit verrichtet und noch nichts vermischt ist, genau dort siehst du tatsächlich, wie ein Gemälde denkt. Das fertige Stück zeigt dir nur Antworten. Die chaotische Mitte zeigt dir Entscheidungen.

Ich denke immer noch, dass eine rohe, in Schichten aufgebaute Studie mehr lehrt als ein perfektes Endbild. Überzeuge mich. Oder sag mir, was dich davon abgehalten hat, deine Werke im Entstehungsprozess zu teilen.

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Dieses Stechen, zu beobachten, wie etwas Rohes und Ehrliches in Verbindung tritt, und dann zu spüren, wie sich der Boden unter dir verschiebt. Der Cadmiumorange scheint immer noch durch den Himmel hindurchzuleuchten, der lose Block darin wirkte lebendig, das Gespräch, das es auslöste. Es macht Sinn, dass die Stille um dieselben Gesten jetzt verwirrend wirken würde, als ob das Ding, das deine Arbeit am meisten zu dem machte, was sie ist, aufgehört hätte, das zu sein, was die Leute sehen wollten.

Da ist etwas still schmerzhaftes daran. Nicht nur die Zahlen oder das Engagement, sondern die tiefer liegende Frage dahinter: War der Teil meiner Arbeit, den ich am meisten liebte, nur für eine Saison liebenswert? Diese Frage lastet schwer im Atelier.

Aber die ungelösten Schichten, die sichtbaren Pinselstriche, die rohe Untermalerei — diese waren nicht wertvoll, weil du sie zu einem bestimmten Zeitpunkt geteilt hast. Sie waren wertvoll, weil sie wahr waren. Die Tatsache, dass du sie bemerkt hast, sie geliebt hast, sie weitergemacht hast, auch nachdem die Resonanz sich geändert hat, das sagt dir etwas darüber, wo dein echtes Werk lebt. Es lebt in der Ehrlichkeit dessen, was da ist, bevor es sich entfaltet.

Daily Affirmations for Artists ist eine stille tägliche Präsenz in dieser Community. Achte auf den Morgenbeitrag, oder nutze @inspo in jedem Beitrag oder Kommentar, wenn du einen Neustart brauchst.

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