Beschreibung
József Kordás’ Gemälde Carmen ist eine malerische Transkription von Bizets weltberühmter Oper: eine visuelle Artikulation von Musik, Leidenschaft und dramatischem Schicksal, in eine eigenständige kompositorische Ordnung gebracht. Die geschichteten Formen und die kontrastierenden Farben wecken ein Gefühl von Bewegung und Energie und laden dazu ein, die Formen in ihnen zu betrachten. Was dem Gemälde sofort auffällt, ist die charakteristische Faktur, die einzigartig für József Kordás’ Werk ist und eine Oberfläche mit einem bemerkenswerten dimensionalen Effekt schafft.
Die Komposition wird von verschiedenen Rottönen dominiert. Diese Rottöne erscheinen nicht bloß als dekorative Farbwerte, sondern als Träger von Leidenschaft, Sinnlichkeit, Gefahr und tragischem Schicksal.
Die visuelle Struktur des Gemäldes folgt dem inneren Bogen der Oper. Wenn das Auge des Betrachters von links nach rechts über die Komposition wandert, erreicht es den Endpunkt des Bildes nur, um immer wieder zum Anfang zurückzukehren — als würde man den wiederkehrenden Motiven, rhythmischer Spannung und dem dramatischen Schwung der Musik folgen. Die Wiederholungen, rhythmische formale Einheiten und Betonungspunkte innerhalb der Komposition erinnern an den Aufbau der Musik, während sie ihn zugleich in eine autonome malerische Ordnung verwandeln.
Die malerische Interpretation eines musikalischen Werks ist eine außergewöhnliche Herausforderung: Klang, Rhythmus, emotionale Dichte und dramatische Spannung in eine visuelle Sprache zu übertragen, erfordert besondere künstlerische Sensibilität. Kordás’ Carmen illustriert Bizets Werk nicht; vielmehr rekonstruiert sie dessen Wesen durch die eigene malerische Sprache des Künstlers. Das klangliche Erlebnis der Musik wird zur Vision, der dramatische Prozess wird zur Komposition, und Leidenschaft wird zu Farbe und Faktur.